- Israel ist mit über 6.000 Startup-Gründungen und einem Wagniskapital-Invest von 630 US Dollar pro Kopf die erfolgreichste Startup-Region der Welt.
- AI, Fintech und Security sind die Top-Businessfelder mit den meisten Neugründungen der letzten drei Jahre.
- Aber was ist die Triebfeder der derzeit erfolgreichsten High-Tech-Community? LSP Digital hat die Geheimformel entdeckt.
Die Erfolgsformel – Das haben israelische Startups uns Deutschen voraus
Über 6.000 Startup-Gründungen in wenigen Jahren: Weltrekord im Verhältnis zur Landesbevölkerung. 630 US Dollar Wagnis-Kapital pro Einwohner: Rang eins der Welt. Spitzen-Investitionen wie der Verkauf von Mobileye an Intel für 15 Mrd. US Dollar – Das Heilige Land ist längst nicht mehr nur Pilgerstätte für die Anhänger der Weltreligionen, sondern Role Model und Sehnsuchtsort der weltweiten High Tech Community.
Das „Silicon Wadi“ hat der kalifornischen Bay Area nicht nur quantitativ den Rang abgelaufen: So lagen beispielsweise die Investitionen in Wagniskapital 2017 mit 630 US Dollar pro Kopf auf dem nahezu dreifachen Niveau der USA.
Auch inhaltlich hält der Nahe Osten die Nase in den Wind: Aktuelle Kernfelder der Gründerszene sind Artificial Intelligence, FinTech und Security – alles drei Bereiche, die denen in den letzten 5 Jahren der stärkste Zuwachs an Startups zu verzeichnen ist.
Spannende Unternehmen finden sich entsprechend zu Hauf.
Star der jüngeren Zeit ist sicherlich Einhorn Mobileye, Hersteller von Fahrassistenz-Systemen und Generator von Daten zu über 20 Millionen Fahrzeugen und Autostrecken weltweit: Mobileye wurde 2017 für spektakuläre 15 Mrd. US Dollar von Intel gekauft, um die hauseigene Technologie für selbstfahrende Autos Wirklichkeit werden zu lassen.
Ein Tool, das von keinem Desktop der Digital-Szene wegzudenken ist, hat ebenfalls israelische Wurzeln: SimilarWeb. Gegründet in 2007 hat das Unternehmen ein Website Analytics Tool entwickelt, das Traffic-Statistiken und KPI für nahezu jede Website weltweit ausweist und damit bei der Entwicklung von Marketing-Strategien und für die Entdeckung neuer Traffic-Quellen für die eigene Website unverzichtbar ist.
Unter den early stage Unternehmen ist zum Beispiel Common Sense Robotics interessant: Das 2015 gegründete Startup bietet eine Lösung für On-Demand Lieferketten an.
Möglich wird dies durch eine ‚physische Cloud‘ in urbanen Gegenden, ein Netz aus Micro-Fulfillment Lagern, die mitten in Stadtzentren platziert werden.
Als zusätzlicher Beschleuniger kommt noch ein robotics-unterstütztes, automatisiertes Fulfillment hinzu. Online-Retailer können so profitabel eine schnelle Lieferung anbieten und sich für den Wettbewerb mit Amazon Fresh wappnen.
Ein anderes Beispiel ist Axonize: Die Tel Aviver haben eine Plattform zur Steuerung von IOT-Anwendungen entwickelt, die binnen weniger Tage verschiedene Backends miteinander vernetzen, orchestrieren und in einem übersichtlichen Reporting darstellen kann. Die Dashboards können einfach individuell angepasst werden, ohne dass Backend Developer nötig wären.
Dies ist nur ein kleines Blitzlicht auf einige der mehreren Tausend Startups, die das israelische Ökosystem in den letzten Jahren hervorgebracht hat.
Was also ist das Geheimnis der Startup-Szene in Israel?
Allem voran: Es menschelt, und das liegt nicht (nur) an den schönen jungen Menschen an Tel Avivs weißen Stränden. Israelis sind Meister des Netzwerkens. So vergeht kein Tag, an dem sich die Startup-Szene – organisiert vor allem über Apps wie Eventbrite oder Meetup – nicht auf kleinen Events zum Beispiel in Co-Working Spaces oder einer der zahllosen großen und zumeist kostenlosen Konferenzen in Tel Aviv oder Jerusalem austauscht. Die unkomplizierte Offenheit und Kooperationsfreude der Startup-Szene in Israel wird besonders gerühmt, mit kleinem Seitenhieb auf die als häufig verwöhnt und anspruchsvoll eingeschätzte Gründerszene Kaliforniens.
Darüber hinaus haben es die Startups in Israel geschafft, aus zwei Handicaps wirtschaftliche Vorteile zu zaubern:
Handicap 1: Eine komplexe politische Lage
Seit der Staatsgründung vor 70 Jahren befindet sich Israel in einem dauerhaften politischen Konflikt mit den Palästinensern und vielen seiner Nachbarstaaten. Entsprechend hat der Staat eine der weltweit schlagkräftigsten Armeen aufgebaut: 3.600 Panzer (Deutschland: 400), 400 Kampfjets (34) und rund 580.000 mobilisierbare Soldaten (328.000) machen das kleine Land extrem wehrhaft. Die Wehrpflicht gilt für junge Männer und Frauen, die in ihrer mehrjährigen Ausbildung früh Verantwortung übertragen bekommen und nicht etwa auf Gleichschritt, sondern auf die erfolgreiche Erfüllung eines Auftrags trainiert werden. Der Unternehmergeist wird dadurch quasi im Armeestiefel mit geliefert. Eine Firmengründung ist bei solcher Konditionierung naheliegend und angesichts der politisch bedingten Gefahren eine Kleinigkeit – die wirtschaftliche Risikofreude ist also angesichts des Lebens in einem risikobehafteten Land groß.
In der Armee gibt es zwei besonders begehrte Einsatzbereiche: Zum einen die des Piloten (wie klassisch), zum anderen ein Platz in der „Cyberarmee“, der sogenannten Unit 8200, für die das Militär in der aufstrebenden Universitätsstadt Beer Sheba nur Kandidaten mit den besten Qualifikationen rekrutiert. Dort lernen die künftigen Gründer das IT-Handwerk von der Pieke auf und knüpfen ein lebenslanges Business-Netzwerk. Und auch jenseits der Armee mangelt es nicht an gut ausgebildeten Fachkräften – dank der vielen hoch qualifizierten Einwanderer vor allem aus der früheren Sowjetunion.
Handicap 2: Der Mangel an Bodenschätzen
Israel ist mit 8,5 Millionen Einwohnern und einer Größe von 22.000 Quadratmetern klein und besteht überdies zu 60 Prozent aus Wüste. Bodenschätze sind entsprechend rar und Export ein Muss für wirtschaftlichen Erfolg. Für die Israelis bedeutet das: Das Beste aus den landwirtschaftlichen Gegebenheiten und Wissen zu einem Wirtschaftsfaktor mit Export-Qualität machen. Während Tel Aviv das Mekka der Jung-Unternehmer ist, die von staatlichen Subventionen wie niedrigen Steuern, Zuschüssen für Infrastruktur und zinslosen Gründer-Darlehen profitieren, macht sich Beer Sheba auf den Weg von der Universitätsstadt zur digitalen Weltmetropole.
Beflügelt wird die Region durch eine einzigartige Mischung aus Forschung, Tech und Industrie: Die 1966 gegründete Ben Gurion-Universität (eine von acht Universitäten und über 30 Hochschulen des Landes) mit rund 25.000 Studenten liefert ein hochwertiges Ausbildungs- und Forschungssystem, dazu kommen militärische Spitzentechnologie, die in der Wüstenstadt entwickelt wird und die Ansiedlung internationaler Industrie. So haben internationale Player wie Facebook, Google, Intel, IBM oder General Motors eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilungen in Beer Sheba aufgebaut, um vom Know-How direkt vor Ort zu profitieren.
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