Könnte das Uber Model die Lücke zwischen Airlines und privaten Business Jets schließen?
LSP Digital hat die Chancen und Erwartungen für einen „Uber-Ansatz“ für Flugreisen untersucht. Dieser kann individuellere Reiseerlebnisse als Linienflüge, aber niedrigere Preisen als private Business Jets bieten.
Digitale Plattformen wie Airbnb greifen das Hotelgewerbe an, Uber macht Taxidiensten Konkurrenz. Wird es auch im Luftverkehr durch digitale Plattformen zu neuen Geschäftsmodellen kommen?
Eine Menge Fakten sprechen dafür: Weltweit stehen 24.400 kommerziellen Fluggeräten ca. 20.500 Business Jets entgegen. Typische Einsätze für Business Jets sind regionale Distanzen von ca. 700 Flugmeilen (1.300 km). Mittelgroße Jets (8-12 Sitzplätze) haben aber Reichweiten von bis zu 3.000 Flugmeilen (5.500 km), große Jets können sogar doppelt so weit fliegen und decken damit das Flugspektrum der Airlines ab.
Trotz des Wachstums von Charter und Beteiligungsmodellen (z.B. „fractional ownership“ wie Netjets) sind Business Jets ein wenig genutztes, aber gleichzeitig sehr teures Asset mit hohen „Leerkosten“. Während kommerzielle Flugzeuge im Regionalverkehr rund 8 Start-Lande Zyklen pro Tag erreichen, kommen Business Jets durchschnittlich nur auf 0,9 Start-Lande Zyklen pro Tag – bei durchschnittlich 46 Minuten Flugdauer. Dem stehen für einen Mittelklasse Business Jet hohe Fixkosten von rund 500 Tsd. USD plus Abschreibungen auf einen Kaufpreis von rund 24 Mio. USD entgegen.
Besitzer und Betreiber von Business Jets beurteilen ein Uber Modell, das leere Kapazitäten in einer Online Plattform buchbar macht und damit den Zugang zu neuen Kundensegmenten und Nutzungsmöglichkeiten eröffnet, daher positiv. Bisher existieren über Charterangebote hinaus nur Nischenlösungen für „ungenutzte Rückflüge“ und „freie Sitzplätze“, die aber kaum Marktbedeutung haben. Rund 50% der Befragten einer Studie aus 2018 glauben daher, dass es in naher Zukunft zu einem Uber-Modell kommen wird, und 46% gehen davon aus, dass dies neue Zielgruppen erschließen würde. Diese Einschätzung lässt sich am Taxibeispiel gut nachvollziehen: Uber und Lyft nahmen den Taxis zwar Umsatz und Kunden weg, in Summe ist das gesamte Fahrtaufkommen aber stark gestiegen. So hat sich beispielsweise in New York von 2015 bis 2017 das Volumen an Fahrten verdoppelt.
LSP Digital sieht daher Chancen für das neue Geschäftsmodell, das die Lücke zwischen Airlines und Privatjets schließen kann. Sowohl Airlines als auch die Business Jet Industrie sollten sich auf diesen Trend einstellen und sich auf neue Wege im Flugverkehr vorbereiten.
